Internationales
Symposium, Basel, November 1998
Biologische Effekte des Lichts
Das Bewußtsein über die Bedeutung des Sonnenlichts für das
Wohlbefinden des Menschens rückte Anfang des 19. Jahrhundert mit der Entdeckung der
ultravioletten Strahlung durch F. Ritter in den Vordergrund. Wiederentdeckt wurden die
heilenden Kräfte des Sonnenlichts allerdings erst in Folge der negativen Auswirkungen der
industriellen Revolution auf breite Schichten der Bevölkerung. Es tauchten Krankheiten
auf, wie die Rachitis bei Kindern und Osteomalazie bei Erwachsenen, die offensichtlich mit
Lichtmangel im Zusammenhang standen. 1822 fand der Arzt Sniedecki heraus, daß rachitische
Skelettverformungen bei Kindern durch Sonnenbaden verhindert werden können. Der Schweizer
Arnold Rikli entwickelte Mitte des Jahrhunderts Richtlinien zur praktischen Anwendung der
Lichttherapie und Nielsen R. Finsen, der Vater der Phototherapie, nutzte schließlich die
UV-Strahlung zu Heilzwecken. Die Verleihung des Nobelpreises an Finsen spiegelte das
große Interesse der damaligen Zeit wieder.
Michael F. Holick, Boston/USA , erinnerte anläßlich der diesjährigen 5. Tagung zum
Thema "Biologische Effekte des Lichts" an diese noch junge Geschichte der
Photobiologie in der Neuzeit. Gegenwärtig wird die Lichtforschung mit Mitteln der
modernen Wissenschaft wieder stärker vorangetrieben. Zahlreiche Forschungsarbeiten, mit
dem Ziel, die komplexen Vorgänge bei Tieren und Menschen, die vom Licht gesteuert oder
beeinflußt werden, aufzuhellen, wurden in Basel vorgestellt.
Nutzen und Risiko des Lichts
Wie man heute weiß, steht die Sonnenstrahlung einerseits in Verdacht Schäden an der Haut
zu verursachen, wie zum Beispiel photoallergische oder phototoxische Reaktionen,
Photoaging oder Hautkrebs, andererseits ist eine ganze Reihe lebensnotwendiger Vorgänge
bekannt, die vom Sonnenlicht oder speziell von der UV-Strahlung abhängig sind. Dazu
gehört u. a.
- die Synthese des Vitamin D3 in der Haut,
- immunmodulierende Wirkung,
- Steuerung endokrinologischer Faktoren,
- Besserung des psychischen Zustandes,
- Therapie von Hautkrankheiten,
- Beeinflussung des Herzkreislaufsystems
- sowie die Regulation des zirkadianen Rhythmuses.
Eine zentrale Stellung nimmt die Entdeckung ein, daß der UVB-Anteil des Lichtes für
die Synthese des Vitamin D3 in der Haut unerläßlich ist (etwa 90 bis 95 % des Vitamin
D-Bedarfs). Dieses Vitamin, bzw. seine Stoffwechselprodukte, ist bei einer Reihe von
Regulationsmechanismen im menschlichen Organismus direkt oder indirekt beteiligt.
Ausgangspunkt der Synthese ist das Provitamin D3 (7-Dehydrocholesterol) in der Haut, das
durch die Einwirkung des Sonnenlichtes zu Vitamin D3 und schließlich in der Leber und
Niere über das 25-Hydroxy-Vitamin (Calcidiol) zur aktiven Form des 1,25-Dihydroxy-Vitamin
D3 (Calcitriol) umgebildet wird.

Vitamin D im Kalziumhaushalt
Eine der bedeutendsten Aufgaben des Calcitriols (1,25-Dihydroxy-Vitamins D3) besteht in
der Regulation des Kalziumhaushaltes, d. h. der Aufrechterhaltung der sog.
Kalzium-Homöostase. Der Knochenauf- und -abbau ist in diesem Zusammenhang ein wichtiger
Regelmechanismus. Bei der Osteoporose, einer Erkrankung, die hauptsächlich ältere Frauen
jenseits der Menopause heimsucht, verlieren die Knochen Kalzium - sie demineralisieren -
und werden brüchig und spröde. Das Frakturrisiko steigt. Aber auch ältere Frauen ohne
manifeste Osteoporose haben vor allem in den Monaten November bis März eine deutlich
reduzierte Knochendichte, berichtete C. J. Rosen, Main/USA. Gleichzeitig sinkt die
25-Hydroxy-Vitamin D-Konzentration (um etwa 20 %) im Blut. (25-Hydroxy-Vitamin D dient als
Maßstab für den Vitamin D-Status). Um zu prüfen, inwieweit das Kalziumdefizit durch
Einnahme von Kalzium ausgeglichen werden kann, bekamen gesunde und an Osteoporoseerkrankte
Frauen über einen Zeitraum von zwei Jahre täglich 1000 mg Kalziumkarbonat. Durch diese
Supplementation ließ sich zwar die Knochendichte auch im Winter stabilisieren, aber das
Defizit an Vitamin D konnte nicht behoben werden.
Eine Möglichkeit nicht nur den Mangel an Kalzium, sondern auch das Vitamin D-Defizit zu
beheben, könnte mit künstlicher UVB-Bestrahlung erreicht werden. Denn eine Synthese des
Vitamin D kann nicht nur durch Sonnenlicht, sondern auch durch künstliche Bestrahlung der
Haut bei Patientinnen mit einer Osteoporose angeregt werden, berichtete H. Schuh,
München. Ein dreiwöchiger Aufenthalt in einer Höhenlage (800 m ü.M.) steigerte die
Vitamin D 3-Spiegel im Blutserum. Ähnliche Resultate wurden mit künstlicher
UVB-Bestrahlung erzielt. Eine kombinierte Sonnen- und UVB-Gabe senkte außerdem den
Kalzium-Serumspiegel, was auf einen verstärkten Einbau von Kalzium in die Knochen
hinweist. Bestrahlungen mit UVB beeinflussen eine Reihe von weiteren Krankheitsbildern.
Bei Dialyse-pflichtigen Patienten, die ebenfalls unter einem Vitamin D-Mangel leiden,
erhöhten UVB-Bestrahlungen nach Untersuchungen von K. Grothmann et al., Berlin, die Menge
von Vitamin D und seiner aktiven Metabolite Calcidiol und Calcitriol. Patienten mit
schweren Nierenerkrankungen haben auch sehr geringe Konzentrationen an roten
Blutkörperchen im Blut. Durch UVB-Bestrahlung konnte die Erythropoese (Reifung der
Erythrozyten) angeregt und dadurch die Anzahl funktionstüchtiger Erythrozyten erhöht
werden.
Die biologische Uhr
Der menschliche Organismus unterliegt einem festgelegten Rhythmus, der im wesentlichen vom
Tag-Nacht-Wechsel, genauer dem Licht-Dunkel-Wechsel, gesteuert wird. Dies ist eine
Eigenschaft, die der Mensch mehr oder weniger mit allen lebenden Wesen, Tieren und
Pflanzen gemeinsam hat. Dieser sogenannte zirkadiane Rhythmus wird von der "inneren
oder biologischen Uhr" gesteuert, dessen wichtigster Zeitgeber das Sonnenlicht ist.
Das Wesen dieser Steuerung der Stoffwechsel- und Verhaltensfunktionen ist seit einigen
Jahren Gegenstand von intensiven wissenschaftlichen Untersuchungen.
Eine wichtige Rolle kommt in diesem Zusammenhang dem Hormon der Epiphyse dem Melatonin,
zu. Es gilt als gesichert, daß die Melatoninsekretion einen deutlichen tageszeitlich
abhängigen Verlauf zeigt. Die gemessenen Blutspiegel von Melatonin am Tage sind niedrig
und in der Nacht, etwa zwischen 4 und 6 Uhr, am höchsten. Im Vergleich zur
Körpertemperatur, die einen gegensätzlichen Verlauf zeigt, also tagsüber höhere und
nachts niedrigere Werte hat, scheint dieses Hormon den Schlaf zu begünstigen. Dem
Anspruch eines Schlafmittels kommt das Hormon allerdings nur bedingt nach, beteuerte die
Expertin auf diesem Gebiet Frau A. Wirz-Justice, Basel. Zwar beschleunigen abendliche
Melatoningaben den zirkadianen Rhythmus, d. h. der Patient wird früher müde, aber einen
verzögerten Rhythmus, der durch abendliche Lichtgaben hervorgerufen wurde, kann Melatonin
nicht aufheben. Auch Wirkung des Melatonins auf das EEG sind eher schwach. Deutlich
hingegen reagierte die Körpertemperatur auf Melatoningaben. Vor allem in peripheren
Regionen, also Händen und Füßen, sank die Körpertemperatur als Folge der veränderten
Durchblutung ab und die Patienten berichten über erhöhte Schläfrigkeit.

Modernes Leben und die Folgen
Lichttherapie für Schichtarbeiter... Die leistungssteigernde Wirkung des Lichtes während
der Nacht konnte in vielen Beobachtungen und Untersuchungen nachgewiesen werden.
Praktischen Nutzen ziehen nicht nur kranke Menschen, sondern auch Menschen, die bei Reisen
über mehrere Zeitzone mit den Folgen eines Jetlag kämpfen oder Schichtarbeiter, für die
die Nacht zum Tag werden muß. Manche Menschen, die durch Schichtarbeiten ständig einen
anderen Lebensrhythmus aufgezwungen bekommen, leiden unter Schlafstörungen. Ein weiteres
Problem ist die verminderte Leistungsfähigkeit während der Nachtschichten. Beobachtungen
an Krankenschwestern mit Nachtdienst haben gezeigt, daß offenbar eine Beziehung zwischen
guter Schlafqualität und der Sekretion des Melatonins während des Tages besteht, so Frau
M. Dumont, Montreal/Kanada. Lichtgaben am Abend, die eine Phasenverschiebung verursachen,
könnten die Umstellung erleichtern, hoffen die Schlafforscher.

... Jetlag und hohen Blutdruck
Welche Anpassungen das Herzkreislaufsystem bei plötzlichen Veränderungen des äußeren
gegenüber dem inneren, dem natürlichen Rhythmus leisten muß, demonstrierte B. Lemmer,
Mannheim, Deutschland anhand von Blutdruck- und Herzfrequenzmessungen bei Fernreisenden.
Als Probanden hatten sich gesunde, junge Männer zur Verfügung gestellt, die entweder
westwärts über 6 Zeitzonen nach Atlanta/USA oder ostwärts über 8 Zeitzonen nach
Osaka/Japan zum vorolympischen Training reisten. Je nach Richtung der Zeitverschiebung
hatte sich die Blutdruckamplitude bei der 24-Stundenmessung entweder verstärkt (westlich:
von einem Maximum von 147 auf 157 mm Hg ) oder abgeflacht (östlich: von einem Maximum von
145 auf 135 mm Hg). Erst nach 6 Tagen (Atlanta) bzw. 7 bis 9 Tagen (Osaka) hatten sich die
kardiovaskulären Verhältnisse (Blutdruck und Herzfrequenz) normalisiert, d. h. die
biologische Uhr stimmte mit der örtlichen Zeit wieder überein.
Lemmer berichtete ergänzend von tierexperimentellen Untersuchungen, in denen der
biologische Zeitgeber (SCN) im Hypothalamus zerstört wurde. Der vorher klar zu messende
zirkadiane Rhythmus des Blutdrucks und der Herzfrequenz war nicht mehr feststellbar.
Daraus könne eindeutig auf eine Abhängigkeit des Herzkreislaufsystems von der
biologischen Uhr geschlossen werden, so Lemmer.
Interessante Aspekte zur Prävention und Behandlung des Bluthochdrucks stellte auch R.
Krause, Berlin, vor. Nach mehrmaliger Bestrahlung mit UVB sank der Blutdruck bei
Patienten, die eine essentielle Hypertonie, eine Grenzwerthypertonie oder eine
Koronarerkrankung hatten. Diese positive Veränderung führte Krause auf die Wirkung des
durch die Bestrahlung erhöhten Serumspiegels von Calcidiol und Calcitriol zurück. Von
diesen Metaboliten des Vitamin D3 ist bekannt, daß sie die Blutgefäße entspannen und
dadurch den Blutdruck senken.
Mehr Licht für alte Menschen
Ältere Menschen verbringen deutlich weniger Zeit im Freien und setzen sich deshalb auch
viel seltener dem Sonnenlicht aus als jüngere Menschen, beobachtete S. D. Youngstedt,
Kalifornien.Seinen Schätzungen nach kommen Alte täglich lediglich 80 Minuten nach
draußen, wobei Frauen mit etwa einer Stunde noch kürzeren Sonnenexpositionszeiten
angeben als Männer. Die Folge sind deutlich geringere Vitamin D-Konzentrationen im Blut.
Auch in Japan trägt das buchstäbliche "vor sich hindämmern" in schlecht
beleuchteten Heimstätten oder Krankenhäusern zum schlechten Zustand vieler Heimbewohner
oder Krankenhausinsassen noch zusätzlich bei. Schlafstörungen und dadurch
Beeinträchtigungen des Tagesablaufs sind die Regel. Laut Untersuchungen einer japanischen
Forschergruppe kann die Lichttherapie bei Patienten mit Alzheimer Krankheit und
Altersdemenz die Schlafqualität verbessern. Frau M. Okawa, Akita/Japan, berichtete, daß
bei alten, dementen Patienten, die einen Monat lang täglich mit hellem Licht bestrahlt
wurden oder mehrere Stunden in einem hell erleuchteten Raum verbrachten, das Licht einen
positiven Einfluß auf Verhaltensstörungen und die Vigilanz ausübte. Leider wird bei
Planungen von Gebäuden noch zu wenig Rücksicht auf die Lichtbedürfnisse der Menschen
genommen, wurde in diesem Zusammenhang festgestellt.
Trübsinn und Melancholie im
November
Während der Herbst- und Wintermonate treten gehäuft Fälle der sogenannten
Winterdepression auf (SAD = Saisonal Abhängige Depression) oder der milder verlaufenden
s-SAD (subsyndromale SAD) auf. Patienten mit dieser Art von Depression leiden an
Tagesschläfrigkeit, Heißhunger auf Kohlenhydrate, Gewichtszunahme, Müdigkeit und
Antriebslosigkeit bis hin zum sozialen Rückzug. Dadurch unterscheidet sich die SAD von
der nicht saisonalen Depression, bei der Appetitlosigkeit und Gewichtsabnahme
vorherrschen. Die enge Beziehung zwischen SAD und Lichtmangel wurde erst Anfang der 80iger
Jahre entdeckt. Inzwischen weiß man, daß diese Erkrankung mehr Menschen betrifft, als
ursprünglich angenommen. Die Prävalenz liegt in den USA schätzungsweise zwischen 4 % in
Florida und 28 % in Alaska. Der Breitengrad bzw. Tageslichtdauer spielen also
offensichtlich eine große Rolle.
Bei SAD-Patienten fällt eine Verschiebung des zirkadianen Rhythmuses auf. Mit Hilfe der
Lichttherapie konnte eine Normalisierung dieser Abweichung erreicht werden. Unter anderem
normalisiert sich der Konzentrationsverlauf des "müdemachenden" Melatonins und
auch der Körpertemperatur. Für die Betroffenen wird die Behandlung in einer
Leistungssteigerung und Aktivitätsverbesserung spürbar.
A. Neumeister, Wien, bestätigte die sehr gute und - im Vergleich zu chemischen
pharmakologischen Medikation - nebenwirkungsfreie Wirkung des Licht auf Patienten mit
Winterdepression. Aber auch Patienten mit nicht-saisonaler Depression können seiner
Meinung nach zusätzlich zur Pharmakotherapie mit Licht behandelt werden. Wichtig für den
Erfolg der Lichttherapie ist das Timing also der Zeitpunkt, die Dauer und vor allem die
eingesetzten Lichtintensitäten. Offensichtlich kann mit höheren Lichtstärken (bis zu
10.000 Lux) und morgendlichen Lichtgaben ein besserer Effekt erzielt werden. Neumeister
empfiehlt deshalb nach gesicherter Diagnose der SAD oder s-SAD eine 30minütige
Lichtbehandlung (10.000 Lux) über 7 bis 14 Tage durchzuführen. Sollte die Therapie ohne
Erfolg bleiben, kann nochmals über 7 bis 14 Tage doppelt so lang (60 Min.) bestrahlt
werden. Erst wenn auch eine zusätzliche abendliche Lichtgabe nicht die gewünschte
Besserung bringt, ist eine Pharmakotherapie angezeigt.

Die Haut als Photorezeptor
(Schlafstörungen mit Licht im Schlaf behandeln?)
Bekanntlich läuft die innere Uhr des Menschens nicht exakt nach einem
24-Stunden-Rhythmus, sondern zeigt leichte Abweichungen, die eine ständige Anpassung an
die aktuelle Tageslänge erforderlich machen. Das Signal für die Korrektur ist das
Sonnenlicht. Das vom Auge eingefangene Licht stimuliert die Retina zur Aussendung von
elektrischen Impulsen einerseits an das Sehzentrum im Gehirn - das eine Abbildung der
Umwelt liefert - andererseits wird über eine Kaskade von nervalen Strukturen die
Ausschüttung des Melatonins aus der Epiphyse reguliert. Die zentrale Schaltstelle
(biologische Uhr) ist in einer Ansammlung von Nervenzellen, dem Suprachiasmatischen
Nucleus (SCN), lokalisiert. Bisher wurde angenommen, daß die Lichtaufnahme und
Weiterleitung über das Auge (okulare Photoperzeption) der einzige Weg einer Steuerung des
zirkadianen Rhythmuses darstellt. Eine Gruppe von Wissenschaftlern aus den USA
präsentierte in Basel Studienergebnisse, die eine extraokulare Regulation der inneren Uhr
möglich erscheinen lassen. Dem von Scott S. Campbell, NY, vorgestellten Experiment lag
eine ausgeklügelte Versuchsanordnung zugrunde. Den Versuchspersonen wurde die Augen
verbunden und drei Stunden die Kniekehlen mit Licht angestrahlt. Damit keine subjektiven
Empfindungen wie z. B. Wärme die Resultate beeinflussen konnten, ist ein für die
Probanden nicht spürbares "kaltes" Licht über eine Manschette gegeben worden.
Überraschenderweise hatte sich der Rhythmus des Melatonins und auch der Körpertemperatur
verschoben und zwar abhängig vom Zeitpunkt der Lichtgabe auf die Haut der Kniekehle.
Ähnliche Ergebnisse wurden auch während des Schlafes gemessen, so daß eine Aufnahme
über das Auge ausgeschlossen werden kann. Der Rhythmus zeigte ähnliche
Phasenverschiebungen, wie sie bereits in Untersuchungen mit Lichtapplikation über die
Augen erzielt wurden. Die vorliegenden Resultate deuten nach Ansicht der Autoren darauf
hin, daß die Einstellung der biologischen Uhr nicht ausschließlich über die Retina
erfolgen muß. Daraus könnten sich Chancen für die Entwicklung zukünftiger neuartiger
und effektiverer Therapieformen von Schlafstörungen oder Störungen des zirkadianen
Rhythmuses ergeben.

Glossar
Epiphyse
|
auch Pinealorgan
oder Zirbeldrüse, Teil des Gehirns, in dem das Hormon Melatonin gebildet wird |
essentielle Hypertonie |
Bluthochdruck ohne erkennbare Ursache |
Grenzwerthypertonie
|
ein noch nicht
unbedingt behandlungsbedürftiger Bluthochdruck |
Hämodialyse |
Blutwäsche bei Niereninsuffizienz |
Homöostase
|
Gleichgewicht
bestimmter Stoffe, z. B. des Kalziums |
Hypothalamus |
Region des Gehirns mit Sitz zahlreicher
Regulationszentren des Stoffwechsels |
kardiovaskulär
|
das Herz und
Blutgefäße betreffend |
Koronarerkrankung |
Erkrankung der Herzversorgenden Blutgefäße |
Jetlag
|
Zeitverschiebung
durch Fernflüge |
Malabsorption |
gestörte Nahrungsaufnahme im Darm |
Melatonin
|
ein Hormon der
Zirbeldrüse, das für die Pigmentierung verantwortlich ist und eine wichtige Rolle in der
Steuerung des zirkadianen Rhythmuses hat |
okulare Photoperzeption |
das Auge betreffende Verarbeitung von Lichtsignalen |
Osteomalazie
|
Knochenerweichung |
Photoaging
|
Alterung der Haut durch Sonnenlicht |
Prävalenz |
Gesamtvorkommen |
Retina |
Netzhaut des Auges mit Sitz der lichtempfindlichen
Stäbchen und Zapfen |
SAD |
Saisonale
Abhängige Depression |
Serotonin |
Substanz, die Stoffwechselprozesse im Gehirn reguliert |
Suprachiasmatischer
|
ein Zellhaufen im
Hypothalamus, der als biologische Uhr |
Nucleus (SCN) |
funktioniert |
Vasodilatation
|
Entspannung der
glatten Muskeln der Blutgefäße |
Vigilanz |
Reaktionsbereitschaft, Aufmerksamkeit |
| |

|
Piercing - am sichersten beim
Hautarzt
derm'inform - Presse- und Informationsstelle
Wer schön sein will, muß leiden. Am eigenen Leib erfahren das
viele, die sich piercen lassen. Dabei werden Haut, Bauchnabel, Zunge oder andere
Körperteile durchstochen, um Ringe, Metallstäbchen oder anderen Schmuck daran zu
befestigen. Damit es zu keiner Infektion kommt, empfiehlt es sich, das Piercing von einem
Hautarzt machen zu lassen. Dr.Ullrich Shih, niedergelassener Dermatologe aus Leonberg, hat
Wissenswertes zu diesem Thema zusammengetragen.
Vom Szene-Look
zum Modetrend
Seinen Ursprung hat das Piercing in der SM-Szene. Was anfangs dem reinen Lustgewinn
diente, hat sich zu einem weit verbreiteten Modetrend weiterentwickelt. Immer mehr junge
Leute entdecken das Piercing als Ausdrucksmöglichkeit einer neuen, erotischen
Körperästhetik.
Diese neue Marktlücke besetzten zunächst die sogenannten "Piercing- oder
Tattoo-Studios" für ihre experimentierfreudige Kundschaft.
Von wenigen Ausnahmen abgesehen, arbeiten heute die meisten Piercing- oder Tattoo-Studios
unter hygienisch ausreichenden Bedingungen. Allerdings sind viele Kunden immer noch
skeptisch. Zurecht, denn ob man an ein schwarzes Schaf geraten ist, weiß man erst, wenn
es zu spät ist.
Sicherheit und Hygiene beim Hautarzt
In Hautarztpraxen wird das Piercing unter den Bedingungen einer ambulanten Operation
durchgeführt, also unter Beachtung höchster hygienischer und ärztlicher Standards. Die
Instrumente (z.B. Pinzette, Klemme, etc.) sind sterilisiert. Andere benötigte Artikel wie
Perforationsnadel, Betäubungsspritze etc. sind Einmalartikel. Das Piercing erfolgt unter
örtlicher Betäubung und ist deshalb nahezu schmerzfrei. Zunächst wird mittels einer
Pinzette der voraussichtliche Stichkanal festgelegt und anschließend mit einer
Perforationsnadel gestochen. Es erfordert dann etwas Geschick, den mit der Klemme
gefaßten Ring durch den Stichkanal zu schieben. Da der Hautarzt aufgrund des Berufsrechts
kein Gewerbe betreibt, ist ihm der Verkauf von Piercing-Ringen untersagt. Diese sollte der
Kunde nach eigenem Geschmack extern kaufen und mitbringen. Legt er Wert auf absolute
Sterilität, so ist der Metallring einen Tag vorher zur Sterilisation in der Praxis
abzugeben. Ansonsten genügt es aber oft, diesen kurz vor dem Eingriff in eine
Desinfektionslösung zu legen.
Verhaltensregeln
nach dem Piercing
Der abschließende Verband sollte für zwei Tage, der Ring für mindestens vier Monate
belassen werden. Regelmäßige Desinfektionen mit Alkohollösungen sind unerläßlich, um
lokale Infektionen zu vermeiden. Nach etwa einer Woche sind eventuell aufgetretene
Reaktionen wie Blutergüsse oder Reizungen der Haut in der Regel abgeheilt. Es ist
wichtig, daß frisch gestochene Piercing-Stellen immer trocken gehalten werden.
Ausgiebiges Baden und Schwimmen sollte für zwei bis drei Wochen unterbleiben. Auch danach
sollten die gepiercten Stellen noch mindestens zwei Monate lang sorgfältig abgetrocknet,
besser noch trocken geföhnt werden.
Allergische
Reaktionen möglich
Wie bei allen äußerlichen Eingriffen in die Haut, kann es auch beim Piercen zu
allergischen Reaktionen kommen, z.B. auf die örtliche Betäubung oder den Metallring
selbst. Dadurch können lokale Infektionen mit einfachen Hautkeimen, aber auch
tiefergehende Infektionen entstehen, insbesondere bei mangelnder Pflege oder
Grunderkrankungen, wie z.B. Diabetes, Leukämie oder Aids. Bei Anzeichen einer
Komplikation sollte unverzüglich der Hautarzt aufgesucht werden. Es gibt natürlich auch
Körperpartien, in denen vom Piercing erhöhte Gefahren für die Gesundheit ausgehen: das
sind zum Beispiel die Zunge, Lippen oder Genitalien, weil hier eine von vornherein höhere
Besiedelung mit möglicherweise pathogenen Keimen vorliegt. Darüber hinaus können hier
leichte Schmierinfektionen, z.B. vom Analbereich oder der Nase, vorkommen und die feuchte
Umgebung stellt eine ideale Voraussetzung für das Wachstum von Infektionskeimen dar.
Kosten müssen
selbst getragen werden
Das dekorative Piercing ist keine Leistung der Krankenversicherung. Die Kosten, die der
Hautarzt in Rechnung stellt, bemessen sich nach dem Schwierigkeitsgrad des Piercings und
der Zugänglichkeit der zu piercenden Stelle.
Für ein einfaches Piercing ist mit Kosten in Höhe von ca. 50 Mark zu rechnen (z.B. für
Ohr oder Nase). Bei komplizierteren Piercings richten sich die Kosten nach dem Aufwand und
belaufen sich bis zu über 150 Mark hinaus (z.B. Genitale, Zunge oder Lippen). Auch steht
es dem Arzt frei, das Piercen bestimmter Körperbereiche abzulehnen.
Presse- und Informationsstelle DERMATOLOGIE
Köfertaler Str. 190, 68167 Mannheim
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Telefon: 0621 / 3 38 40 60, Fax 0621 / 3 38 40 61
Per eMail?
pressestelle@derminform.de
Ansprechpartnerin: Petra Huber

Aktuelle
Forderungen Deutscher Hautärzte
Aufnahme der dermatolog. Hautkrebs-Prävention durch Screening in den Leistungskatalog der
gesetzlichen Krankenversicherungen
Früherkennungsuntersuchungen bei Darmkrebs, Prostatakrebs oder
Brustkrebs sind seit Jahren Bestandteil der vertragsärztlichen Versorgung und werden nach
EBM (einheitlicher Bewertungsmaßstab) honoriert. Für entsprechende präventive
Maßnahmen in der Dermatologie gilt das nicht. Dabei verliefen internationale und
nationale Hautkrebs-Präventionsprogramme (Hautkrebs-Screening) sehr erfolgreich.
Überall zeigte sich eine Zunahme von diagnostizierten Melanomen im Frühstadium (low
risk) und auch eine Verhaltensänderung im Umgang mit der Sonne ist nachweisbar gewesen.
Bedenkt man die dramatische Zunahme der Häufigkeit von von Hautkrebserkrankungen in den
vergangenen zwei Jahrzehnten, so erscheint die bisher ohne Erfolg erhobene Forderung nach
der Implementierung des Hautkrebsscreenings in den medizinischen Alltag mehr als
berechtigt: Laut der Strahlenschutzkommission des Bundesministeriums für Umwelt,
Naturschutz (SSK) ist der Anstieg beim malignen Melanom (schwarzer Hautkrebs) besonders
dramatisch. Zur Zeit werden ca. acht bis zehn Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner pro
Jahr registriert, bei steigender Melanominzidenz. *Nach amerikanischen Untersuchungen ist
die Melanominzidenz seit 1930 um 1800 Prozent gestiegen.* Dies bedeutet, daß in
Deutschland etwa jeder 150. Einwohner im Laufe seines Lebens am malignen Melanom erkrankt.
Immer noch sterben ca. 20 Prozent der Erkrankten, obwohl es bei Früherkennung gute
Heilungschancen gibt. Hauptursache der Hautkrebserkrankungen - sowohl des Plattenepithel-
und Basalzellkarzinom als auch des malignen Melanoms - ist die UV-Bestrahlung der Haut.
Jüngste Forschungsarbeiten, die auch auf dem International Investigative Dermatology 1998
Kongreß vorgestellt werden, belegen dies eindeutig. Erklärbar ist die dramatische
Zunahme der Hautkrebserkrankungen demnach durch die erhöhte UV-Exposition, die auf ein
geändertes Freizeit- und Sozialverhalten großer Teile der Bevölkerung zurückzuführen
ist.
*Ein hoher Prozentsatz der deutschen Bevölkerung reist in Länder mit hoher
Sonneneinstrahlung. Mit steigender Tendenz finden diese Reisen zusätzlich in den
Wintermonaten statt, in denen die wenig pigmentierte Haut gegenüber der UV-Strahlung
besonders empfindlich reagiert. Darüber hinaus führt das derzeitige Schönheitsideal,
das "braun" mit "schön und gesund" gleichsetzt, zu gezielter und
ausgiebiger Sonnenexposition.* Aufklärungs- und Vorsorgemaßnahmen, sowohl individuell
als auch auf gesellschaftlicher Basis, sind daher vordringlich. Wie internationale und
nationale Hautkrebs Präventionsprogramme gezeigt haben, ist das Hautkrebsscreening durch
den Dermatologen eine effektive und zuverlässige wie auch kostengünstige
Vorsorgemaßnahme. Wesentlich für den Erfolg der Präventivuntersuchung ist die
Durchführung durch den Facharzt.
Laut einer Studie von 1996 gewährleistet nur das Hautkrebsscreening durch den
Dermatologen eine sichere Diagnose und die richtige Behandlung.
Bei Untersuchung durch Nicht-Dermatologen wurde eine Fehldiagnosenquote von 50 Prozent
ermittelt. Das Hautkrebsscreening durch den Dermatologen führt nicht nur zu einer
signifikanten Verbesserung der Heilungschancen von Hautkrebserkrankungen, sondern
informiert den Patienten auch über den verantwortlichen Umgang mit UV-Bestrahlung. Die
dermatologische Hautkrebsprävention durch Screening ist daher angesichts der Zunahme der
Hautkrebserkrankungen nicht nur notwendig, um den Betroffenen persönliches Leid und
Einschränkung der Lebensqualität zu ersparen, sondern leistet auch einen Beitrag zur
Kostenersparnis im Gesundheitswesen. Daher ist es geradezu widersinnig, die
dermatologische Prävention durch Hautkrebsscreening im Leistungskatalog der gesetzlichen
Krankenversicherungen nicht zu berücksichtigen.
Der
Dermatologe - erster Ansprechpartner bei Hautkrankheiten
Internationale Studien belegen, daß Hautkrankheiten von Nicht-Hautärzten zu 29 Prozent
falsch diagnostiziert werden.
Besonders drastisch ist die Fehldiagnosen-Quote im Fall der malignitätsverdächtigen
Hautveränderungen. In 50 Prozent der Fälle wurden Hautkrebserkrankungen nicht
diagnostiziert, in 40 Prozent der Fälle wurden maligne Melanome (schwarzer Hautkrebs)
übersehen. Hinsichtlich der Tragweite einer Fehldiagnose hautkrebsverdächtiger
Hautveränderungen muß eine ausschließliche Untersuchung und Behandlung durch den
Dermatologen gefordert werden. Auch wenn eine Fehldiagnose bei anderen Hauterkrankungen
weitaus weniger folgenschwer ist, so sind die Konsequenzen für den betroffenen Patienten
doch beträchtlich. Einerseits führt die Fehldiagnose zu verspäteter Erkennung der
Erkrankung und damit unter Umständen zu einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes
des Patienten, andererseits wird der Krankheitsverlauf durch eine aufgrund der
Fehldiagnose eingeleitete falsche Behandlung verlängert. Amerikanische Studien belegen
überdies, daß selbst wenn ein Nichtdermatologe die richtige Diagnose stellt, die
Patienten aufgrund der mangelnden Fachkenntnisse des behandelnden Arztes häufig falsch
therapiert werden. Es liegt auf der Hand, daß die Behandlung von Hautpatienten durch den
Dermatologen nicht nur Vorteile für die Betroffenen hat, sondern auch wesentlich zur
Kostenersparnis beiträgt. Bedenkt man die zunehmende Häufigkeit von Hautkrankheiten und
die rapide ansteigende Zahl von - auch chronischen - Haut- und Allergiepatienten, so
erscheint es geradezu absurd, die Dermatologie mit ihrer nachweislich hohen Effizienz aus
der medizinischen Basisversorgung zu verdrängen. Amerikanische Untersuchungen zu den
fachlichen und ökonomischen Auswirkungen der Reduzierung der fachdermatologischen
Versorgung seit Einführung des "first care" Systems belegen, daß diese zu
einer signifikanten Qualitätsminderung bei gleichzeitiger Kostensteigerung geführt hat.
Daher muß, wenn sich das Primärarztsystem auch in Deutschland durchsetzt, dafür Sorge
getragen werden, daß die Dermatologen den Status des Primärarztes erhalten. In einer
Zeit dramatischer Zunahme von Hautkrankheiten und Allergien aufgrund von stetig steigender
Umweltbelastung dürfen Haut- und Allergiekranke nicht diskriminiert werden.
(Statement des Psoriasis-Bundes. Dr. Jeckel und der Deutschen Haut- und Allergiehilfe,
Bonn) Ihnen muß der direkte Zugang zum Dermatologen ohne zeitaufwendige und kostspielige
Umwege über andere Ärzte erhalten bleiben.
Angemessene
Honorierung der vertragsärztlichen Leistungen
Die gesetzlichen Krankenkassen haben die für die ärztliche Honorierung zur Verfügung
stehenden Gelder in den letzten Jahren zu festen Budgets eingefroren, aber gleichzeitig
die Anzahl der dafür zu erbringenden vertragsärztlichen Leistungen stetig erweitert.
Seit Inkraftreten des Einheitlichen Bewertungsmaßstabes (EBM) und der Praxisbudgetierung
ab Juli 1997 kann von einer angemessenen Honorierung der ärztlichen Arbeit in der Praxis
nicht mehr die Rede sein. Die Fachgruppe der Dermatologen ist besonders hart von dieser
Regelung betroffen. Falsch berechnete und - laut einer von der Kassenärztlichen
Bundesvereinigung (KBV) beauftragten Studie (KPGM-Studie) - um 5,3 % zu niedrig angesetzte
Betriebskostenkalkulationen für dermatologische Praxen haben die Honorare für ärztliche
Leistungen auf einen durchschnittlichen Fallwert von 30,00 bis 60,00 DM pro Quartal
absinken lassen. Parallel dazu sind die Kosten für die Behandlung des einzelnen Patienten
- z. T. durch den Einsatz innovativer Behandlungsmethoden - jedoch gestiegen, so daß die
Leistungen eines niedergelassenen Dermatologen nicht mehr kostendeckend vergütet werden.
Auf diese Weise ist das wirtschaftliche Überleben vieler dermatologischen Praxen nicht
mehr gewährleistet. Falls in naher Zukunft keine Angleichung der Honorare stattfindet,
werden viele dermatologische Praxen schließen müssen. Die Konsequenzen für die
Patienten sind nicht minder dramatisch: Obwohl Hauterkrankungen immer häufiger auftreten,
werden sie künftig längere Wege zurücklegen müssen, um einen Hautarzt zu konsultieren.
Dabei belegen internationale Studien, daß die hautärztliche Versorgung durch den
Dermatologen unverzichtbar ist: Sie ist nicht nur effizienter, sondern auch preiswerter
als die Behandlung durch den Nichtdermatologen. Besonders im Fall der
Hautkrebsfrüherkennung - Hautkrebs ist die zweithäufigste aller Krebsformen - garantiert
nur die Behandlung durch den Dermatologen die richtige Diagnose und Therapie.
Das einseitige Einsparen bei der Honorierung der Dermatologen kommt der der Demontage
einer ganzen - besonders effizienten- Facharztgruppe gleich. Das Problem der notwendigen
Kostenreduzierung im Gesundheitssystem wird damit aber keineswegs gelöst.
Forderung: Erhalt der Erstattungspflicht für
notwendige Arzneimittel sowie eines ausreichenden Arzneimittelbudgets.
Mit der Neufassung der Arzneimittelrichtlinien, wie sie der
Bundesausschuß der Ärzte und Krankenkassen erst kürzlich vorgeschlagen hat, soll eine
Liste von rund 40 Arzneimittelgruppen von der Erstattung durch die gesetzlichen
Krankenkassen ausgenommen werden. Nur noch in Ausnahmefällen sollen sie auf Kassenrezept
erhältlich sein.
Darunter fallen auch die sogenannten Antihistaminika, die seit Jahrzehnten mit gutem
Erfolg extern bei starkem bis mittelstarkem lokalen Juckreiz der Haut wie z.B. nach
Insektenstichen eingesetzt werden.
Ebenso spielen Antihistaminika eine Schlüsselrolle bei der Behandlung aller Formen der
allergischen Rhinitis. Ein Ausschluß solcher Medikamentengruppen aus der GKV-Erstattung
ist daher aus dermatologischer Sicht sehr problematisch und läßt befürchten, daß in
Zukunft ein angemessenes Arzneimittelbudget für die Therapie von Hauterkrankungen nicht
mehr gewährleistet sein könnte. Sparmaßnahmen dürfen Hautkrankheiten nicht
bagatellisieren.

Sonne
und UV-Strahlung - Genuß und Risiko
Hintergrundinterview mit den Experten
Priv. Doz. Dr. med. Christiane Bayerl, Mannheim und Dr. med. Carola Geyer-Nüsslein,
München
derm'inform - Presse- und Informationsstelle, Mannheim, Mai 1998 (derm).
Wenn die Sonne scheint, hebt sich unsere Stimmung, daß fühlen wir
besonders in den ersten Frühlingstagen. Sonne ist ein Wohlgenuß für unsere Psyche -
doch Vorsicht! Sie hat auch ihre Schattenseiten. So hat sich beispielsweise das
Krebsrisiko seit 1950 versechsfacht. Es ist also Vorsicht geboten, denn, um die Sonne
richtig zu genießen, führt kein Weg daran vorbei, sich auch mit den Risiken
auseinanderzusetzen. Um mehr über die "Sonnen- und Schattenseiten" zu erfahren,
führten wir ein Gespräch mit Priv. Doz. Dr. med. Christiane Bayerl, Mannheim und Dr.
med. Carola Geyer-Nüsslein, München.
Frage:
Frau Dr. Bayerl, warum tut Sonnenbaden gut?
Bayerl: Die Sonne wirkt direkt auf unsere Psyche ein, denn das Sonnenlicht löst
hormonelle Reaktionen aus, die den Stoffwechsel anregen.
Unser Körper setzt euphorisch stimmende Stoffe frei und entspannt sich.
Kurz um: Wenn die Sonne scheint, geht es uns gut. Das Sonnenlicht spielt nicht nur für
unsere Gesundheit, sondern auch für unser Wohlbefinden eine wichtige Rolle, da UV-Licht
für die Umwandlung von Vorstufen des Vitamin D im Körper verantwortlich ist.
Frage:
Fr. Geyer-Nüsslein, was genau ist UV-Strahlung?
Geyer-Nüsslein: Die Sonne schickt ein ganzes Bündel verschiedener Strahlen auf die Erde.
Gut die Hälfte ist sichtbares Licht, fast 44 Prozent bestehen aus Wärme, UVA- und
UVB-Strahlen machen gut vier Prozent aus.
UV-Strahlung ist im Spektrum des Sonnenlichts enthalten.
Diese ultraviolette Strahlung ist für das menschliche Auge nicht sichtbar.
Sie wird in UVA, UVB und UVC unterteilt. Während die UVC-Strahlen vollständig von der
Ozonhülle herausgefiltert werden, sind wir Teilen der UVB- und UVA-Strahlung ausgesetzt.
Frage: Was
ist der Unterschied zwischen UVA- und UVB-Strahlung?
Bayerl: Die UV-Strahlung wird in die kurzwellige UVB- und die langwellige UVA-Strahlung
unterteilt. Für Sonnenbrand sind hauptsächlich die UVB-Strahlen verantwortlich. Wenn die
Haut vorzeitig altert, so liegt das vor allem an den UVA-Strahlen. UVB ist der aktivste
Bestandteil des Sonnenlichtes. Er ist für viele sonnenbedingte UV-Wirkungen in der Natur
verantwortlich. UVB regt beispielsweise unsere Pigmentzellen zur Bildung des braunen
Melanins an, das wir als gesunde Sommerbräune so sehr schätzen. Zuviel UVB schädigt die
Haut und kann nach Jahren oder Jahrzehnten Hautkrebs begünstigen.
Frage:
Sind UVA-Strahlen völlig ungefährlich für die Haut?
Bayerl: Die bisherige Forschung hat sich hauptsächlich auf die Risiken der UVB-Strahlen
konzentriert. Jetzt werden auch zunehmend die Auswirkungen der UVA-Strahlung untersucht.
So wird heute bei Sonnenschutzcremes, die ausschließlich UVB-Filter enthalten zur
Vorsicht gemahnt. Diese schützen zwar vor Sonnenbrand, verlängern aber gleichzeitig die
ungehinderte Einwirkzeit der UVA- Strahlen. Dies kann gefährliche Folgen im Hinblick auf
frühzeitige Hautalterung haben. Doch nicht nur das:
Nach neuesten Erkenntnissen trägt auch UVA- Strahlung zur Hautkrebsbildung bei. Aus
diesen Gründen sollte dringend ein Sonnenschutzmittel verwendet werden, das UVA- und
UVB-Filter enthält.
Frage:
Warum wird die Haut bei der Einwirkung von UV-Strahlung braun?
Geyer-Nüsslein: Bräunung ist der Schutzmechanismus unserer Haut. Treffen UV-Strahlen auf
die Haut, so verdickt sich die obere Hornschicht und bildet die sogenannte Lichtschwiele.
Diese reduziert die einfallenden UVB-Strahlen. Dringen UVB-Strahlen weiter in die Haut
vor, so wird in tieferen Hautschichten das Pigment Melanin gebildet, das sich als
"Schutzkappe" über den Zellkern legt. Die Haut wird braun. Das Melanin
absorbiert das UV-Licht und schützt die Haut vor Schäden.
Frage: Wie
kann ich mich vor Sonnenbrand schützen?
Geyer-Nüsslein: Die einfachsten "Sonnenschutzmittel" sind Schatten und
Kleidung. Wer allerdings nicht auf Sonnenbaden verzichten will, für den gilt: Maß
halten. Auch die Haut braucht Ruhepausen, vor allem in der Mittagssonne.
Sonnenschutzmittel sind ein absolutes Muß bei direkter Sonneneinstrahlung. Sie entfalten
ihre volle Wirksamkeit, wenn sie 30-45 Minuten vor Beginn der Sonnenbestrahlung
aufgetragen werden. Außerdem gilt: Kein Präparat erhält seinen vollen Schutzfaktor nach
Wasserkontakt, auch nicht sogenannte "wasserfeste" Präparate. Nach dem Baden
oder Duschen und spätestens nach zwei Stunden, sollte das Lichtschutzmittel erneut
aufgetragen werden.
Frage: Kann
man verschiedene Hauttypen unterscheiden?
Bayerl: In Mitteleuropa werden 4 Hauttypen unterschieden. Der Hauttyp steht in direktem
Zusammenhang mit der Sonnenempfindlichkeit. Entscheidend ist der Zeitraum, den man ohne
Sonnenschutz in der Mittagssonne verbringen kann. Typ 1 kann 5-10 Minuten in der Sonne
bleiben; wird nicht braun und bekommt immer Sonnenbrand. Typ 2 verträgt 10-20 Minuten
Mittagssonne, wird kaum braun und bekommt sehr oft Sonnenbrand. Typ 3 kann sich 20-30
Minuten sonnen, wird gut braun und bekommt selten Sonnenbrand. Typ 4 kann 40 Minuten
sonnenbaden, wird schnell und tief braun und bekommt (fast) nie Sonnenbrand.
Frage:
Welchen Lichtschutzfaktor soll ich verwenden?
Bayerl: Ist ihr Hautyp 1, dann sollten Sie ein Sonnenschutzmittel mit Lichtschutzfaktor 15
benutzen. Für den Hauttyp 2 wird ein Lichtschutzfaktor im Bereich 9-14 empfohlen.
Menschen mit Hauttyp 3 benötigen den Lichtschutzfaktor 5-8. Für Hauttyp 4 genügt
bereits Lichtschutzfaktor 2-4. Ein höherer Lichtschutzfaktor als 15 ist zwecklos, da
dieser schon über 90% der UVB Strahlen absorbiert.
Die Besonnungszeit läßt sich also durch einen entsprechend höheren Lichtschutzfaktor
nicht beliebig verlängern. Deshalb lieber ein paar Minuten zu früh in den Schatten
gehen, als ein paar Minuten zu spät. Übrigens: Am schonendsten und intensivsten wird man
im Schatten braun.
Frage: Was
muß ich beim Solariumbesuch beachten?
Geyer-Nüsslein: Beim Besuch eines Solariums sollte man sich über die Art der
Strahlungsquelle genau informieren. UVA-Hochleistungsstrahler wie zum Beispiel
Turbobräuner schirmen fast gänzlich UVB-Strahlung ab. Die Stärke ihrer bräunenden
UVA-Strahlung wurde gegenüber der Sonne vervielfacht, um die Bestrahlungszeit kurz zu
halten. Der Nachteil der hohen UVA Dosis: Sie beschleunigt das Altern der Haut und kann zu
Hautkrebsbildung führen.
Die Wirkung der Geräte mit mittlerem UVB-Anteil , beispielsweise der meisten
Heimsolarien, ist mit der Wirkung der Sonne vergleichbar. Das bedeutet: Bei gedankenloser
übermäßiger Bestrahlung mit diesen Lampen ist ein erhöhtes Krebsrisiko nicht
auszuschließen. Die Höhensonne mit ihrem hohen UVB-Anteil ist der wohl bekannteste
UV-Hochdruckstrahler. Er ist so gefährlich, daß man ihn überhaupt nicht verwenden
sollte. Generell gilt: Die Zahl der Sonnenbäder soll etwa 50 pro Jahr nicht
überschreiten.
Frage: Ist es
sinnvoll sich für einen Urlaub im Solarium vorzubräunen?
Bayerl: Eine medizinisch kontrollierte UV-Therapie mit Strahlungsgeräten in der Praxis
ist zur Vorbeugung der Sonnenallergie, einer sogenannten polymorphen Lichtdermatose, einer
UV-Unverträglichkeit und dem Bild von Knötchen und Juckreiz sinnvoll.
Frage: Was
müssen Eltern für ihre Kinder beachten?
Bayerl: Kinder verbringen weitaus mehr Zeit im Freien als Erwachsene. Schon von daher ist
die Gefahr eines Sonnenbrandes für sie besonders groß. Die Haut von Kindern ist um ein
vielfaches dünner und empfindlicher als die Haut von Erwachsenen. Sie besitzt auch noch
keinen Eigenschutz (Fähigkeit zur Pigmentierung und Lichtschwielenbildung).
Dieser baut sich erst langsam ab dem zweiten Lebensjahr auf. Bis zum vollendeten ersten
Lebensjahr sollten Sie ihr Kind deshalb überhaupt nicht der prallen Sonne aussetzen.
Selbst im Schatten ist für Babys ein Sonnenschutzmittel an den nicht von Kleidung
geschützten Hautpartien ratsam, weil die Kleidung und der Sonnenschirm die Strahlung nur
teilweise abhält. Auch bei bedecktem Himmel eincremen, denn die Strahlung dringt durch
die Wolken. Beim Baden gilt: Das Baby gleich nach dem Planschen abtrocknen, da
Wasserflecken auf der Haut wie ein Brennglas wirken. Als Sonnenschutz sind Cremes und
Lotions mit hohem Lichtschutzfaktor für Kinder empfehlenswert. Hierzu gibt es Präperate
mit physikalischem Lichtschutz, d.h. mit Partikeln, die die Sonnenenergie aufnehmen. So
kann chemischer Lichtschutz eingespart werden.
Frage:
Angenommen ich entdecke eine Hautveränderung, wie sollte ich mich dann verhalten?
Geyer-Nüsslein: Um die Entstehung eines schwarzen Hautkrebses zu verhindern, sollte man
sorgsam und regelmäßig beobachten, ob und wo sich Leberflecken am Körper befinden.
Hierzu gibt es eine leicht zu merkende Regel, die zu erkennen hilft, wann von einem
Leberfleck Gefahr ausgehen könnte; sie wird die "A-B-C-D-Regel" genannt.
"A" steht für Asymmetrie, "B" für Begrenzung unregelmäßig,
"C" für "Colorit" (wechselhafte Pigmentierung) und "D" für
Durchmesser größer als 5mm. Je mehr dieser Punkte für einen Leberfleck zutreffen, desto
genauer muß dieser beobachtet werden. Besonders hier gilt: Lassen sie sich rechtzeitig
vom Hautarzt untersuchen - lieber einmal zuviel, als einmal zu wenig.
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